Daily Disaster

 

The beginning of purpose

is found in creating something that

only you understand

T.Joseph

 

 

 

*BLOG* 

 

Montag, 06.07.2020  Glas


Ich kann nichts mehr erkennen, verstehe nichts mehr und möchte stehenbleiben. Anhalten.
Habe das Bedürfnis bei voller Fahrt den Sicherungsbügel zu lösen und einfach auszusteigen.
Alles ist zu schnell, alles rast vorbei und vermischt sich zu etwas neuem, doch ohne Struktur oder Sinn.
Was bringt es mir mich im Kreis zu drehen, außer ein unangenehmes Kribbeln im Bauch und Wind im Haar?
Angeschnallt, mit Höhnenangst und Schwindel im Kopf.
Geschrei, Lichter, Gewusel, Lärm.

Ich muss nicht ins Spiegelkabinett, nicht ins Labyrinth aus Glaswänden, ich bin doch immer da drin.
Ich versuche nichts anderes als hinaus zu kommen, die Glaswände hinter mir zu lassen aber ich finde nicht hinaus.
Niemand scheint es zu bemerken.
Da ist Glas, überall zwischen uns, zwischen mir und allem anderen.
Sogar hier oben ist Glas, es ist überall, oben unten davor und dahinter.
Warum bemerkt das keiner?
Es ist zu schnell, noch etwas schneller und alles steht.
Erstarrt im Moment.
Löse den Sicherungsbügel, steig aus.
Dreht euch weiter, ich stehe.

Glasboden, Glashimmel.

Aber ich stehe.

Silver



 

Mittwoch, 01.07.2020 Für immer und nie

 

Du sagst viele Dinge, die ich glaube, die ehrlich sind und wahr.
Aber hier kann ich nicht zustimmen.
Denn ich hoffe und möchte glauben, dass es ein für immer gibt.
In welcher Form und Zeit und Dimension auch immer dieses für immer sein mag.
Aber es wird ein für immer sein.
Ich weiß, dass es so ist. Weil ich will, dass es so ist.

Es ist ein für immer und ein niemals.
Und es ist das zäheste und verzwickteste und kompromissloseste Unterfangen überhaupt.
Und das quälendste und schauerlichste und schönste Gefühl überhaupt.

Und es lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Und es füllt mein kleines Herz mit so viel Wärme.

Für immer und doch niemals.

 

Silver

 

 

 

11.06.2020 Tagtraum

 

Der Wecker ist gestellt.

Immer die selbe Zeit, ich muss mich nicht weiter darum kümmern. 
Eigentlich brauche ich gar keinen Wecker, ich bin so trainiert, so abgerichtet, ich wache schon vor dem Wecker auf und warte auf ihn.
Was ich nur tun muss ist morgens aufzustehen, was mal mehr mal weniger einfach ist, unter der Bettdecke liegen zu bleiben ist so viel verlockender. Aber der Morgen ist da und die Sonne ist da und die Vögel zwitschern. Sie zwitschern nicht bloß, sie verspotten mich und fliegen einfach weg und einen Wurm zu finden und nicht gegen Scheiben zu fliegen ist doch wohl einfacher als dieses Chaos, das sich dauernd als Leben und als Mensch verkleidet. Also spottet nicht.


Es ist gut Struktur zu haben aber das ist auch zu leicht zu verwechseln mit atemberaubend öder Routine.
Ich habe den starken Eindruck ständig in einem Tunnel zu sein, am White Line Fieber zu leiden, nur im Alltag.

Ich agiere und rede und bin da aber ich bin in Wahrheit völlig woanders und weiß meistens gar nicht wie ich wo hingekommen bin oder warum schon Stunden vergangen sind. Ich habe mich wahrscheinlich selbst hypnotisiert aber besonders wahrscheinlich ist es nicht.
Ich stehe also auf und putze mir die Zähne, ich spucke aus aber möchte doch nur mein Spiegelbild anspucken, einfach so, nur dann müsste ich die Schweinerei wieder sauber machen und darauf kann ich auch verzichten.
Ich kann nicht mehr.
Ich habe das Gefühl jeden Moment zusammenzuklappen.
Und dann? Niemand würde kommen um mich auf die Beine zu stellen.

Ich muss mich selbst wieder hinstellen.

Also bleibe ich gleich stehen, auch wenn ich mich einfach nur an Ort und Stelle hinlegen möchte.
Also weiter.

Ich kann nicht mehr.
Ich brauche Ruhe.
Abstand.
Ruhe und Abstand.
Ich will etwas und weiß nicht genau was und auch nicht genau wie aber das hier will ich nicht.
Es ist okay, hallo?!,  nur bin das ich?
Ich fühle mich betrogen.
Ich habe mich neben so vielen weiteren Aspekten am meisten enttäuscht und mich selbst belogen und zusammengefaltet, ich bin müde und rastlos und ratlos und ich brauche Ruhe.
Ich möchte meine Gedanken hören und herumhängen, lesend herumhängen und nachdenken und ich bin irgendwann irgendwo verloren gegangen.
Habe ich schon erwähnt, dass ich Ruhe brauche und eine Pause?
Eine Pause vom Leben um wieder atmen zu lernen, eine Pause von 8 Monaten, mindestens, wahrscheinlich brauche ich aber 2 Jahre oder eher 12.
Das Leben, Gott, dieses Leben ist so anstrengend und es hängt an meinen Beinen, umklammert sie und hält mich so fest, dass ich stolpere und dabei möchte ich doch rennen und die Arme ausbreiten und einfach losfliegen, ja das ist Quatsch, also renne ich, weg, weg von allem und hin zu etwas, zu etwas viel mehr, nicht in Zahlen mehr, mehr in Tiefe und Wärme und viel mehr.
Ich glaube, ich träume, ich muss träumen. Ein Tagtraum, ein nicht enden wollender Tagtraum, ein Wachkoma als Traum verkleidet.

Ein echt langatmig blöder Traum.
Ich möchte aufwachen. Wann klingelt denn endlich der Wecker?

 

Silver 

 

 

 

03.06.2020  Etwas sehr

 

Es wird kühler

Es verblasst

Es wird besser 


Silver

 

 

 

22.05.2020 Am Rande des Ozeans

 

Wenn ich am Meer stehe und zum Horizont blicke, den Sonnenuntergang betrachte und die Farben, dann wünsche ich mir riesengroß zu sein.

Mit drei langen Schritten den Ozean überqueren, bis zum Horizont, bis an den Rand der Erde, die Sonne festhalten, sie einen Moment betrachten, bevor die Erde sich weiterdreht und mir die Sonne aus den Händen gleitet.

Letzte Sonnenstrahlen wie gelbrote Zuckerwatte auf meiner Zunge schmelzen lassen, bis sie flüssige Wärme sind.

So nah bei den Farben stehen, dass ich eins mit ihnen werde.

Ein Ich aus Pastell, zart und weich.

Am Rande des riesigen Ozeans stehen, bis die schwarze Nacht sich vollends ausgebreitet hat, über mir ist, neben mir, überall um mich herum; der Ozean sich schwarz färbt, er die Nacht wird und die Nacht zum Ozean.

Ich die Ozeannacht inhaliere, bis sie ich ist und ich sie.

Schwarze Nacht, weiße Sterne, am Rande des Ozeans.

 

Silver

 

 

 

14.05.2020  Ein dunkler Raum

 

So sehr habe ich mich festgeklammert, aus Angst.

Aus Angst, zu fallen, zu ertrinken, verschlungen zu werden.

Festgeklammert, aus Angst vor der Kälte, vor der gähnenden Leere, dem unendlichen Abgrund.

Festgeklammert, aus Angst, allein zu sein, allein in diesem lichtlosen, jedes Geräusch verschluckenden, fensterlosen Raumes, gefüllt mit nichts als Dunkelheit.

Gefangen in einer unwirklichen Stille, die lauter kreischt als alles, was du je gehört hast.

Doch je stärker du dich festgekrallt hast, desto klarer wurde, woran du dich da geklammert hast.

Du hast dich an genau das geklammert, wovor du so große Angst hattest.

Du hast dich nicht nur festgehalten, du warst damit verbunden, fest verschnürt.

Du hast dich an die Kälte geklammert, an die Dunkelheit, an die Leere, an die Stille, an die Angst.

Als du losgelassen hast, mühsam Finger für Finger gelöst hast, zitternd den Griff gelockert hast, weil du es nicht mehr ausgehalten hast, als du dich endlich losgelöst hast, hast du gemerkt, wie fest verbunden du wirklich bist, wie alles zu einem wird, wie tief verwurzelt und verzweigt es in dir ist.

Du bist gefallen und ertrunken und fortgerissen worden und dieses Kreischen in dem lichtlosen Raum, das bist du selbst, der dunkle Raum bist du.

Du wurdest dort hineingedrängt, dann hast dich dort versteckt und dann hast du nicht mehr hinausgefunden, gedacht, das wäre dein Zuhause. Und dann wurde es zu dir.

Und du merktest, du hast dich die ganze Zeit an das geklammert, was dich Stück für Stück zerrissen hat, was dich abgestoßen und zerdrückt hat.

Lass endgültig los, lass richtig los, zerschneide es, alles, was dich einschnürt.

Das Licht findet seinen Weg, es findet immer einen Weg.

Der dunkle Raum ist in dir und du bist darin, du bist der Raum selbst, er ist in deinem Kopf, und das Kreischen ist in deinem Kopf und vielleicht bleibt das so, für immer.

Aber du bist frei, geh Stück für Stück hinaus und wenn es sein muss, halt inne, du kannst jederzeit stehenbleiben.

Aber geh und sieh nie wieder zurück, halt dich nie wieder an das fest, was dich so sehr zerschnitten und erdrückt und allein gelassen hat.

 

Ich versuche es, immer, jeden Tag, das verspreche ich. Mir.

 

Silver

 

 

 

Sonntag, 26.04.2020, Teil 2 Es und ich

 

Ich kann mich nicht umdrehen weil es doch egal ist, es ist egal, wohin ich mich drehe, es ist egal, ob ich renne, Haken schlage, mich verstecke oder ob ich kopfüber auf meinen Händen laufe.

Ich kann nicht weg weil es in mir ist. 'Es'. Ich kann nicht etwas vergessen, wenn ich nicht weiß, was denn eigentlich, ich kann nicht etwas ausknipsen, wofür es keinen Schalter gibt, nicht damit aufhören, wie soll das gehen? Es ist doch ich.

Das ist in mir, das bin ich, mal mehr, mal weniger. Und ich weiß ja nicht mal, was Es eigentlich ist, warum Es da ist, woher Es kommt.

Vielleicht gibt es tausende Gründe, vielleicht gibt es einfach nur den einen: weil es so ist und immer schon so war, in mir war. Vielleicht ist das nicht die befriedigendste Antwort und vielleicht ist das auch ein Irrtum aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals anders war. Ich jemals anders war, jemals ohne Es war.

 

Silver 

 

 

Sonntag, 26.04.2020, Teil 1  Schrot und Wunden

 

Der Punkt wurde mittlerweile wohl klar.

Und trotzdem wird mir immer und immer wieder das Gefühl gegeben, das alles wäre schwer zu begreifen, Humbug, nicht so wild.

 

Jeder Angriff war wie eine Ladung Schrotkugeln, die Wirkung kann man sich denken, ein Schuss, unzählige Wunden.

Und jede einzelne Kugel aus sich herauszupulen dauert ewig und bevor man fertig ist, bevor man die Wunden überhaupt reinigen konnte von dem Dreck, folgten schon neue Kugeln.

 

Es ist egal was ich sage oder tue.

Ich muss damit leben, dass offenbar viele Menschen taub sind und die Schüsse nie gehört haben, blind sind und die Wunden nicht sehen können, was Ignoranz bedeutet habe ich von anderen gelernt.

Ursache, Reaktion und das Ergebnis dessen wird so verquirlt bis es ihnen am genehmsten ist und in jedem Fall mir der Strick um den Hals gelegt werden kann.

Jedes verfickte Mal.

 

Neue Wunden, mehr verseuchtes Schrot, irgendwann bist du nur noch müde und lässt die Wunden klaffen.

 

Ich möchte so sehr, dass du verstehst.

Wie anstrengend das ist, wieviel Druck hinter jeder noch so kleinen Handlung steht, wie man sich nicht frei fühlt, Fremdbestimmt, normale Dinge schlecht gemacht werden, natürliche Dinge in den Dreck gezogen werden, du in eine Ecke gedrängt wirst, deine Worte missachtet, verdreht, wie das Gefühl ist, nicht in deinem eigenen Leben stattzufinden, sondern nur das anderer aufgezwängt zu bekommen, in kleinsten Dingen, in allgemeinen Dingen.

 

Ich will, dass du verstehst, warum meine Lunte so kurz geworden ist und begreifst, dass sie kurz ist.

Meistens kann ich mich gut kontrollieren, ich weiß oft, wann ich mir die Energie sparen kann.

Auch weil ich ein friedlicher Mensch bin, bewusst unnötige Konfrontationen und  heraufbeschworene Konflikte abstossend finde. 

Aber ich kann nicht kontrollieren, wann der eine Funke da ist, was der eine Funke ist, wann das rote Tuch sich über mich legt.

Manchmal ist es ein einziges falsches Wort, eine falsche Reaktion, ein Gefühl das etwas auslöst.

Vielleicht ist das ungerecht, vielleicht ist das wieder etwas, was man mir vorwerfen kann, Ursache-Wirkung einfach mal wieder umdrehen.

Gerecht war es auch nie für mich.

 

Silver

 

 

 

Immer noch Dienstag, 14.04.2020 Neulich Abend

 

Okay, ganz ruhig.

Du merkst es, du merkst es ganz genau, etwas verändert sich.

Du veränderst dich, von einen auf den anderen Moment.

Eben war noch alles gut und dann bäm!, dieser Einschlag.

Dieser Brocken, mitten im Magen.

Traurigkeit zuerst.

Du weißt dieses Mal ganz genau, was passiert ist, wusstest du es davor auch immer? Du erinnerst dich nicht.

Aber jetzt, in diesem Moment weißt du es.

Jemand begleitet dich einen großen Teil deines bisherigen Lebens, so vertraut und doch so weit weg.

Jemanden zu vermissen, den man nie getroffen, mit dem man nie gesprochen hat, was ist das?

Aber, Gott, in diesem Moment tut es so weh.

Diese Stimme zu hören, unzählige Male hast du sie gehört und nichts dergleichen ist passiert, ja, es passiert immer irgendetwas aber niemals so.

Warum jetzt? Wer weiß. Allgemeine Anspannung, Stress, nicht genug Schlaf, keine Ahnung.

Was es auslösen kann, Musik zu hören, eine Stimme, das ist schön aber auch beängstigend. Ist es die Stimme oder ist es die Zeit, ich weiß nicht.

Ich bin so traurig.

Das ist nur der eine Teil.

Der andere ist zu groß, winzig im Moment aber doch zu groß in seiner Gesamtheit und, warum sind sie so?

Ich möchte weinen, diese Faszination, dieses Band, von Beginn an war da Magie und es tut weh.

Es ist okay, weine ruhig.

Aber ich schäme mich, habe mich immer schämen müssen für meine Gefühle, ob gut oder nicht, da ist nur immer Scham. Alles, was ich gelernt habe, ist verbergen und verstecken und bloß nicht zeigen, das darfst du nicht.

Du musst dich nicht schämen, schäme dich nie wieder dafür.

Du bist sicher, alles ist okay.

Schalte es aus, im Moment geht das nicht.

Atme durch und lass los.

Lies, hier, es dauert nicht lang, es geht vorbei, die Angst kann dir nichts tun, du hast nichts auch wenn dein Herz fast zerspringt, du bist traurig und von irgendwas gestresst, das ist in Ordnung.

Du darfst trauern, auch um Menschen, die du nie getroffen hast aber die du liebst und immer lieben wirst.

Die Stimme ist zu viel gerade, sie macht dich traurig.

Dein Herz ist so schwer, deine Brust so eng.

Auch das ist okay, du stirbst nicht, nicht jetzt. Mit deinem Herz ist alles gut, mit deiner Lunge soweit auch, da ist kein Wasser drin. Du wirst nicht ertrinken.

Opa ist so ertrunken. Aber du nicht.

Leg dich hin, hier, nimm das Handy und schreib es auf.

Gleich vorbei, atme und schreibe und lenk dich ab.

Dann steh auf und öffne das Fenster, schau, wie klar der Nachthimmel ist.

Deine dunkelblaue Nacht und die funkelnden Sterne, alles da.

Du auch.

Wie schön kühl es ist, oder?

Ist es nicht schön?

Und? Sind deine drei Sterne da?

Siehst du sie?

Alles da, wo es hingehört.

Versprich mir, dir, dass du dich bitte darum kümmerst wenn alles vorbei ist.

Und..halt dich fern und noch ferner, du weißt es doch, du spürst es doch, du spürst es immer und du hast es wieder gesehen.

Dein Gedächtnis spielt dir keinen Streich. Vertraue dir doch mal.

Fühle dich nicht immer verpflichtet, das bist du nicht.

Du bist dir gegenüber verpflichtet und du weißt, wie schwer alles war. Du weißt es.

Versprochen?

Hast du alles aufgeschrieben?

Jetzt schau noch mal in den Himmel, wie dunkelblauer Samt, wie wohlig dieser Anblick ist. Wie er dich einhüllt und sich in dir ausbreitet. Nimm den Anblick einfach mit.

Geh jetzt schlafen.

 

Und?

Besser?

 

Ja.

 

Silver

 

 

  

Dienstag, 14.04.2020 Heaven

 

It's all purple in heaven, right? 

 

S.

 

 

Donnerstag, 09.04.2020  Zeit

 

Ich hoffe, die Zeit wird dich heilen.

Die Zeit heilt dich nicht.

Ich hoffe, die Zeit wird dich befreien.

Die Zeit befreit dich nicht.

 

Das musst du selbst tun.

Wie?

 

 

Silver

 

 

 

Mittwoch, 01.04.2020 Unnormale Normalität

 

Draußen scheint die Sonne, der Himmel ist blau.

Gestern morgen hat es geschneit, es ist schön kalt und es schneite dicke Schneeflocken aber kaum gefallen, waren sie auch schon geschmolzen.

Alles wirkt normal, nichts ist normal.

Das Gefühl kenne ich doch, nur bisher betraf es nur mich oder höchstens noch eine andere Person oder Situation.

Jetzt betrifft es einfach die ganze Welt, die Welt, das ist zu groß, zu krass, das passt nicht in meinen Verstand.

Es macht es auch nicht besser, dass es alle betrifft.

Normalerweise fühlt sich das unnormale weniger schlimm an wenn man nicht allein damit ist und sieht, dass man doch ganz okay ist und die Normalität viele Nuancen und sogar Auswüchse hat und die eigenen Auswüchse eigentlich verdammt winzig sind. Für einen persönlich natürlich nicht, für einen selbst sind sie monströs, für andere eher lächerlich oder noch unerträglicher als für einen selbst.

Nie hat mal alles ein Gesicht, für dich ist es so und für mich ganz anders, es ist immer verzerrt und verschoben.

Als es so klein und persönlich und natürlich völlig anderen Ursprungs war, konnte ich noch irgendwie damit umgehen, genauso wenig verstehen aber es betraf mich und nicht die Welt.

Nichts ist normal.

Kürzlich wurde-Überraschung!-eine Panikattacke diagnostiziert, wirklich ausgesprochen.

Es brauchte auch bei den vielen Malen davor keinen Doktor, der es hinterher bestätigt, beziehungsweise mir mitteilt, als wäre das eine schockierende Neuigkeit.

Alles, was ich dachte war: ach was? Was für ein Knallbonbon Sie da haben, das Studium hat sich auf jeden Fall gelohnt, oder? So schwer war das doch nicht

Ich weiß das doch längst, Herr Arzt, ich wusste es in jedem dieser Momente, natürlich wusste ich es, war ja nicht zu überfühlen und nicht zu übersehen.

Na ja.

Genauso wusste ich schon vor Ausbruch der Pandemie, dass viele Menschen egoistische Idioten sind, es brauchte wirklich keinen Virus um mir das vor Augen zu führen.

Jeder, der vom Verhalten einiger überrascht wurde, hat offenbar den Dachboden im Turm über Rapunzel bewohnt und nicht viel von den Menschen da draußen mitbekommen.

Ja, ja und nochmal ja, es gibt tolle tolle Menschen, das weiß ich wohl.

Fürsorgliche, empathische, freundliche, zuvorkommende, zuverlässige, liebe, treue, warme Menschen.

Die viel wärmer sind als ich. Netter und zuversichtlicher sind als ich.

Aber..was soll ich sagen.

Jedenfalls habe ich den Herrn Arzt gefragt, was ich denn jetzt tun könnte, also, bei einer Panikattacke, wohl wissend, dass die nächste irgendwo lauert.

Kann ich?

Nö, können Sie nicht.

Verdammte Axt!

Und nun kommt diese unnormale Lage dazu, eigentlich der ideale Zustand, ich muss und ich darf zu Hause bleiben, muss nicht mal zwangsläufig reden, kein Druck, die ganze Welt ist ja zu Hause, zumindest der Teil der Welt, der ein Zuhause hat, natürlich.

Dafür meldet sich fast jeden Abend diese Panik, diese nicht greifbare Angst, irrational und doch berechtigt.

Ich merke, wie sie sich anschleicht, richtig zuverlässig, immer wenn es dunkel ist und ich eigentlich ins Reich der Träume gehen möchte.

Ich merke, wie sie leise anklopft und komische Gedanken in meinen Kopf pflanzt, wie ich unruhig werde und weiß, ich kann nicht wirklich etwas dagegen unternehmen.

Es ist überhaupt nichts richtig, nichts normal, nichts frei.

Bei manchen kommt das Beste zum Vorschein und bei vielen das Schlimmste überhaupt.

Es kümmert zu viel oder zu wenig.

Und nachts dann, in diesen Momenten, fühlt sich alles falsch an, erdrückend anders, 

auch wenn mir der Zustand selbst nicht unbekannt ist, mir auch vieles egal ist, so gleichgültig bin ich nie. Ich wünsche ich mir nichts mehr, als dass alles wieder normal wird.

Unfrei zu sein, selbst mit dem größten Verständnis in dieser Lage, damit komme ich schwer zurecht. Egoismus und Denunziantentum, Chaos und Dummheit, damit kann ich absolut nicht umgehen, konnte ich nie. 

Ich übertöne das erdrückende Gefühl mit Musik, vertreibe aufflammende Angst mit Filme gucken und träume mich in den Schlaf.

Morgen früh, das weiß ich, wird es wieder irritierend nach Alltag wirken, blauer Himmel, Sonnenschein, Vögel fliegen, Wind weht. Nur alles so verdammt anders und totenstill.

 

Silver

 

 

Noch immer Mittwoch  Geburtstag!

 

Da habe ich doch glatt meinen Geburtstag verpennt.

Schon wieder ein Jahr rum, 6 Jahre Silbernebel, 6 Jahre?! 6 Jahre.

Wer hätte das am Anfang gedacht.

Ich jedenfalls nicht aber öffnet man einmal die Büchse der Pandora, na ja, ihr kennt die Geschichte.

Jej, Party, Danke für die zahllosen Glückwünsche. Nicht. Ihr Asis. Danke für nichts.

Ich werde jeden ahnungslosen Menschen der hier zufällig strandet auch weiterhin mit meiner unfassbaren Tiefsinnigkeit und meinem charmanten Witz und überirdischem Intellekt unterhalten und ja, natürlich ist das ein Witz. Aber ich schreibe weiter, das war kein Witz, jedenfalls solange mir noch was einfällt und ich für veröffentlichungswürdig erachte.

Danke trotzdem an euch Leser*innen, ich sehe euch.

Bleibt gesund, alles wird gut.

 

Silver 

 

 

Mittwoch, 25.03.2020 300 Gramm

 

Oft ist es nicht unbedingt sofort als solches zu erkennen.

Manchmal ist es ein Kaninchenbau, manchmal ist es ein tiefer schwarzer See, in den du eintauchen willst, für immer.

Für manche ist es ein Sturm, ein Feld der Verwüstung, ein immerwährendes Chaos, eine Spielwiese.

Für andere sind es eben jene 300 Gramm, die den Unterschied machen, zwischen allem und nichts, 300 Gramm, die alles bedeuten.

Blind ist es und taub sowieso.

Eigentlich ist es tatsächlich ein Klumpen Organ, ein Muskel, durchzogen mit Blutgefäßen und Fasern und es muss beschützt werden, weil es den Unterschied macht zwischen Leben und Tod, weil es brechen kann, wie eine Vase, es kann brechen und du kannst daran sterben.

Manchmal beschützt du es so sehr, dass du es beinahe zerquetschst, manchmal versuchst du, es in einem See aus Eis zu ertränken, nicht einzutauchen in den tiefen, schwarzen See, denn es ist so weich und zart und zu zerbrechlich.

Manchmal denkst du, bei anderen ist es doch wirklich nur ein Klumpen, der nichts weiter tut als zu pumpen und pumpen, nur am Leben zu erhalten und sonst nichts.

Und wieso tut es weh, wie?

Warum kann es schreien und an dir zerren und hüpfen und wie kommt es, dass es so so lebendig ist und so wild, dass du es kaum kontrollieren kannst?

Wieso versuchst du, es zu erdrücken, zu unterdrücken, abzukapseln und zum Schweigen zu bringen?

Es funktioniert ohne dein zutun, es funktioniert und sagt dir manchmal deutlich, was du nicht mal zu denken wagst.

Aber weil es taub ist und auch blind, kannst du ihm nie wirklich trauen, du weißt nie wirklich, was es wieder anstellt und warum und warum es dich so durchrüttelt.

Und obwohl es nur ein Klumpen Organ ist, nur 300 Gramm schwer, ist es doch viel viel mehr.

Es ist eine eigene kleine Welt, in dir.

Hör mal hin, ab und zu und pass gut darauf auf.

Pass auf dich auf.

 

Silver

 

 

 

Freitag, 13.03.2020  Die schönsten aller Tage

 

Ich kann keine Poesie. Dies ist kein Märchen, kein Gedicht, keine Fiktion, keine Heldengeschichte.

Ich bin keine Dichterin, ich bin keine Erzählerin.

Ich bin die mit dem bleichen Gesicht, mit einer Stimme, so leise, flüsternd wie der Wind.

Den Blick gesenkt, doch alles absorbierend, inhalierend.

Die unruhigen Finger kreisen lauernd übers Display, den Tasten, suchen Worte und finden Sätze, stürzen sich auf sie und bringen sie zum fliessen, bringen Schwarz auf Weiß.

Und doch,

manchmal ist es so, als wäre nie etwas gewesen, als wäre ich nie gewesen.

Als wäre nicht ein einziger Tag und nicht eine einzige Nacht vergangen, es wäre nichts je passiert und kein Weg je gegangen worden.

Die Welt wäre riesengroß und ich noch winzig klein.

Ich lasse das Licht vom Flur durch die geöffnete Tür in meinen Augen tanzen, es ist noch früh, so früh, dass du den anbrechenden Tag spürst, dass du es riechst, alles ist Weiß.

Lass die Tür auf, nur einen Spalt, nur ein bisschen, bitte.

Und das Licht vom Flur verändert sich mit jedem Blinzeln, es blendet, es wirft irre Muster auf meine Netzhaut, es verschwimmt und es tanzt, ich kann es tanzen lassen.

Und es ist ruhig und alles liegt da wie eben gefallener Schnee, glitzernd und kalt und ich stehe auf und das Nachthemd weht um meine Beine und ich lasse mich fallen, in ihn fallen und er gibt nach und umfängt mich mit seinen kalten weichen Händen.

Ich gehe auf ihn, er lässt mich jeden meiner Schritte hören und er hält jeden meiner Schritte fest und macht sie sichtbar, ja, du bist hier.

Ich nehme ihn auf meine kleine Hand, und lecke ihn auf, er zergeht auf der Spitze meiner Zunge, so kalt, mein reiner weißer Glitzerschnee. Diese Liebe ist endlos, ihr versteht sie nicht.

Ich renne los und es knirscht und knirscht unter meinen Füßen und die mit dem bleichen Gesicht und der Stimme, so leise, flüsternd wie der Wind, sie strahlt heller und wärmer als die Sonne und der rote Mund lacht weiße Wolken in die Luft, er lacht, erst gurgelnd und dunkel, aus tiefster Kehle, wie das Grummeln einer Lawine und dann so klar wie der fallende Schnee selbst. 

Manchmal fühlt es sich so an, genau so soll sein, so frisch und weiß, wie eine Leinwand kurz vor dem ersten Pinselstrich, das Bild noch im Kopf; wie das cremeweiße Papier in dem kleinen Büchlein, bevor ein Tropfen Tinte es benetzt, bevor der erste Buchstabe entsteht, dem so viele folgen, bis Worte entstehen, eine Geschichte, Sinn, wenn die Erwartung und die Spannung greifbar sind. 

Wenn ich aufwache in der Stille des noch müden Tages, wie ein Beginn. 

So soll der Anfang sein, es ist der Anfang. Die Welt ist so groß und ich ganz klein.

Die Finger kreisen lauernd und sie suchen und sie finden sie, werden sie immer finden, doch niemals vollenden. 

Dies ist die Geschichte, für die es keinen Namen gibt.  

Diese sind die schönsten aller Tage. 

 

Silver

 

 

Freitag, 6.03.2020 Wird es das?

 

~ "I love you"

 

- "It'll past"

 

:Fleabag

 

 

 

Montag, 24.02.2020  Klein

 

Was ich nie sein will: alt. Alt im Kopf. Alt im Herzen. Alt allgemein.
Denn irgendwie war ich schon mit 6 Jahren alt.
Obwohl ich mich strikt geweigert habe, groß zu werden.
Weil ich so schlimme Angst vor den Großen hatte, vor dem Großsein, dem da draußen, dem da sein, dem Dasein, den Menschen.
Ich wollte lieber ein Tier sein, ein Hund oder eine Katze, ganz egal, weil die nicht in die Schule müssen, weil die zuhause rumlungern und den ganzen Tag schlafen und spielen können und jeder das in Ordnung findet.
Klappte nicht, denn ich war nunmal kein Hund und keine Katze und ich wurde es auch nicht, auch wenn ich so tat, als ob.
Man kaufte es mir nicht ab, ich musste also ein Mensch bleiben, ein Kind, ein großes altes Kind. Ein zu ängstliches, verantwortungsvolles, vernünftiges, nachdenkliches, gefügiges, liebes Kind.
Ich wollte unbedingt nicht groß werden aber gleichzeitig wollte ich endlich groß sein, ganz groß, damit es vorbei ist, diese Verwirrung vorbei ist und ich sein kann, wie ich will. Nicht ahnend, dass sie mich niemals einfach sein lassen werden.
Damit ich nicht in die Schule muss und nicht raus muss und dann alles alles besser wird(ha!) 

Doch bei alldem nicht groß werden wollen, war ich schon längst viel größer als alle anderen, musste größer sein, weil alle anderen so klein waren, weil sie kleine Alte, kleine Ältere waren (und kleinste Kleine) und nicht große Alte, wie es sein sollte.
Und weil ich schon alt war, als ich noch klein war, will ich es niemals wieder sein, niemals werden. Und weil das so war, weiß ich nicht, wie man richtig groß ist, ob ich richtig groß bin oder doch noch klein, ob ich richtig bin, weil ich nicht einfach sein durfte.
Ich wollte doch einfach nur klein sein dürfen.
Ich wollte doch einfach nur spielen.

 

Silver

 

 

 

Donnerstag, 20.02.2020  Here we go again

 

Dieses allzu vertraute Gefühl ist wieder zurück.

Das tief in der Magengegend sitzt und sich von dort überall hin ausbreitet.

Im Grunde ist es gar kein richtiges Gefühl, es ist das Nichts.

Vermischt mit etwas Angst.

Aber danach kommt nichts mehr, es lässt mich einfach erstarren und dann umdrehen.

Es benebelt meinen Kopf, lässt mich nicht mehr logisch und klar denken, es macht müde und alles, wonach ich mich sehne, ist mein Bett, nach schlafen und träumen.

Es ist wie immer so übermächtig und lässt mich alles zurücknehmen wollen, es lässt mich alles ausradieren wollen was ich je tat und je sagte, was ich alles nie tat und nie sagte.

Ich weiß, du erwartest mehr.

Du verdienst mehr.

Ich weiß, du bist enttäuscht.

Von mir.

Aber so sehr ich auch von mir selbst enttäuscht bin und mich permanent selbst verletze, ich fühle mich absolut machtlos.

Dieses Nichts-Gefühl ist kalt und lässt alles, was je in Lebendigkeit in mir war, erstarren und ich habe nicht den Hauch einer Chance, ich kann nicht daran glauben, irgendeine Art von Wärme zu verdienen.

Keine 1000 Worte könnten mich überzeugen, keine flehende Beschwörung.

Du kannst noch so sehr so tun und dich ernsthaft bemühen aber ich spüre auch das Unverständnis und die Ungeduld und den Druck, nun halt einfach mal zu machen.

Du kannst es nicht verstehen und nicht nachempfinden, kein einziger deiner unzähligen Schnitte, keiner deiner noch so dunklen Gedanken, kein einziger dieser vielen Tropfen Blut die du vergossen hast, scheint die Sprache dieses Gefühls zu sprechen.

Und es lässt mich nicht sprechen, es lässt mich allein zurück.

Oder?

Verstehst du mich?

 

Silver

 

 

 

Sonntag, 02.02.2020 Nichts {2}

 

Du sagst, das ist doch nichts.
Dass ich strauchle, dass ich falle.
Das ist nichts.
Dass ich mich winde und nicht aufhöre zu suchen, dass ich renne, dass ich weine.
Das ist nichts.
Dass ich leblos bin, stumm und friere. Das ist nichts.
Dass ich Menschen liebe, die ich nicht kenne, jedes Wort bereue, das ich je sagte und wünschte, ich hätte noch viel mehr gesagt. Das ist nichts.
Dass ich in Flammen stehe, wild und wütend bin. Das ist nichts.
Dass ich den Schnee fühlen muss, das Feuer brauche und dunkelblaue Nächte, sei nicht albern. Das ist nichts.
Dass ich nicht zeigen kann, wer ich bin weil ich nicht weiß, ob ich es bin. Das ist nichts.

Dass ich nicht wissen will, wer du heute bist weil du morgen wieder jemand anderes sein könntest. Das ist nichts.
Dass ich nichts mehr fühlen will weil es zu viel ist. Das ist nichts.
Dass da Farben sind und Dunkelheit und AlbTräume und Angst, das?
Das ist nichts.
Dass ich nicht vertraue aber alles zutraue. Das ist nichts.

Dass ich weiß, da ist was, das ist auch nichts.
Das ist nichts? Wenn das nichts ist, bist du auch nichts.
Wenn das alles nichts ist, warum fühlt es sich dann nach so verdammt viel mehr als nichts an? 


Es fühlt sich nicht nach nichts an, es fühlt sich nach alles an.

 

Silver

 

 

 

Montag, 27.01.2020 Denkarium

 

Warum das alles?
Warum tut man sich das an?
Warum nicht einfach die Tür zumachen, abschliessen und den Schlüssel im Gully versenken, nach vorn schauen und losgehen?
Warum diese Hingabe an all die Verletzungen und Enttäuschungen und Selbsthass und Wut und Ungerechtigkeiten?
Weil ich alles aus mir herausschreiben möchte. Ich versuche, es aus mir herauszuschreiben.
Dafür muss ich es studieren, ich möchte es verstehen, lernen, anders machen und abheften.
Aber es sind viel zu viele Türen und es werden immer neue aufgetreten, ich komme kaum mit. Am liebsten hätte ich ein Denkarium.
Um alle blöden Erinnerungen dort abzulegen, dort zu lagern und loszuwerden, wo sie wirklich aus meinem Kopf verschwunden wären.
Ich wäre endlich frei im Kopf und somit auch allgemein, es ist unglaublich, wie sehr einem Vergangenes so schwer auf der Seele liegt, dass man noch Jahre später wie sediert herumläuft, wie längst Vergangenes so lebendig ist und immer wieder auflebt, dich durchschüttelt, als wäre es eben gerade geschehen.
Ein Denkarium ist das krasseste überhaupt. Ich müsste mir nie wieder etwas in Erinnerung rufen bzw. es würde nicht einfach plötzlich aufploppen obwohl ich das gar nicht möchte, ich könnte alles aus meinem Kopf ziehen, nichts würde mehr drücken, wehtun, lähmen, wütend machen. Egal, ob gestern erst oder vor Jahren, ich ziehe es raus wie einen Splitter aus einer Wunde und kann unbeschwert weiterspielen.
Aber ob man dann auch die Lehre vergessen würde, die man aus dem Splitter gezogen hat?
Würde ich vergessen, was ich lieber nicht noch mal tun sollte, warum ich auf bestimmte Dinge achten sollte, warum ich mich mit etwas oder jemanden unwohl fühle?
Bleibt die Konsequenz, das Wissen danach, nur der stechende Ursprung ist weg?
Erinnere ich mich an die Erinnerung, die ich abgelegt habe trotzdem, nur sie wäre eine Kopie oder ist die Abgelegte das Original und in meinem Kopf ist nur eine kleine Randnotiz, dass diese Erinnerung existiert?
Wenn ja, dann Denkarium.

Das hier ist auch eines, nur ein kleines, wo ich zwar ablege aber das mit dem aus dem Kopf verbannen und unbeschwert weiter Grashüpfer fangen funktioniert irgendwie noch nicht so richtig.

 

Silver

 

 

Dienstag, 21.01.2020 Mental pogo(schon wieder!)

 

Ich könnte schreien.
Vor Wut.
Wegen all diesen Menschen.
Weil ich mich ständig nur anpassen und zurückhalten muss, ich spiele.
Ich darf ja nicht mal melancholisch sein, schwermütig und mürrisch (und das bin ich von Zeit zu Zeit), ich grüble und zweifle und schweige und möchtemuss allein sein.
Aber ich bin auch aufgeregt und begeistert und laber dir beide Ohren ab und hüpfe und bin so so ungemein witzig und ironisch und stecke dein kleines quadratisches Gehirn in die Gesäßtasche meiner Jeans.
Und weil man damit nicht umgehen kann, wird so getan als wäre ich Dr.Seltsam, es wird permanent die Stirn gerunzelt und noch ein Hä?! und eine viel zu nüchterne und viel zu extra begriffsstutzige und viel zu ernste Nachfrage und ich muss handgreiflich werden.
Wenn Menschen sich klein und dumm fühlen, werden sie fies und versuchen, dich zu ihnen herunter zu ziehen.
Oder sie lachen dich aus um zu überspielen, dass sie überhaupt nichts verstanden haben.
Ich bin nicht großartig oder besonders.

Oh nein.
Ich möchte mich nur nicht ständig zurückhalten müssen und so tun als ob, in was auch immer.
Doch ich frage noch mal nach, obwohl ich längst verstanden habe, lasse dich in dem Glauben, dir den Bullshit abzukaufen, den du verzapfst und lache über den Witz, der dumm und respektlos ist, damit du dich besser fühlst, mache mich extra kleiner, damit du dich größer fühlst.
Sobald ich damit aufhöre, gerät alles ins wanken. Es ist mir ehrlich gesagt langsam egal, ob ich einen Tsunami auslöse, es reicht mir damit, dass sich der letzte Nacktmull noch überlegen fühlt, vielleicht spürt er aber auch sein Mullsein und bäumt sich deswegen so auf und wirft mit Dreck.
Man darf ja nicht mal depressiv sein.
Nicht mal das wird dir zugestanden, selbst aus Problemen wird ein Konkurrenzkampf gestrickt.
Und, ich bin natürlich nicht, niemals, nie besser, jeder darf sich grandios finden und an Selbstüberschätzung leiden, DAS ist nur Selbstliebe, ich dagegen bin arrogant, ich muss mich hassen und mein Label ist understatement.
Das ist sympathisch, oder?
Von Selbstzweifeln zerfleddert und sich dumm und tot stellen, damit man keine Gefahr darstellt.
Es ist anstrengend.
Manche Leute sind so offensichtlich maskiert und unecht, dass es wieder lustig ist, aber ihr Label ist lustigerweise authentisch, und manche sind exakt das, was du siehst.
Du drehst und wendest sie, schaust darunter und dahinter aber da ist kein doppelter Boden, kein Geheimfach, kein zweites Gesicht, nicht weniger fehlerhaft aber dabei so offen, dass es richtig rührend ist.
Du bekommst zu 100% was du siehst.
Ein bisschen beneide ich diese Menschen, die irgendwie eindimensional wirken, dabei aber das Herz auf ihrer Zunge tragen und du immer weißt, woran du bei ihnen bist-ob im Guten oder nicht.
Aber eigentlich verstehe ich Menschen nicht, mich nicht, ich verstehe nicht, wie das alles überhaupt funktioniert.

 

~to be continued (doch)

 

Silver

 

 

 

Freitag, 17.01.2020 Träumerin pt.2

 

Nenn mich nicht Träumerin.
Das klingt missbilligend, wie ein Tadel.
Möglich, dass der Film im Kopfkino Überlänge hat, möglich, dass er gar kein Ende hat und mich bis zum Morgengrauen wachhält weil ich keinen Cut machen kann. 

Möglich, dass das Karussell fast aus den Angeln gehoben wird, noch eine Umdrehung und wir fliegen beide im hohen Bogen heraus. Bist du überhaupt in der Lage aufzuspringen, kannst du mithalten? Greif dir den galoppierenden Schimmel mit der goldenen Mähne und halt dich gut fest, der Ritt wird hart.
Manchmal steht das Karussell still, es ist zu stürmisch.
Weißt du überhaupt, wie viel eine Regenwolke wiegen kann?
Sie wird so schwer, dass ich meinen Kopf kaum oben halten kann.
Viele reden vom Gedankenkarussell aber die wenigsten haben eine echte Vorstellung davon, was das wirklich bedeutet.
Aber verdammt, nenn mich nicht so. Ich weiß genau was geht und was nicht, sehe so scharf und glasklar, dass mir fast die Augen bluten und höre aufmerksam zu, ich höre selbst das, was nicht gesagt wird.
Ich stehe so fest auf dem Boden der Tatsachen, dass er Risse bekommt. Ich bin so rational, dass es mir wehtut.
Träumerin.
Nenn mich nicht so, nicht so.
Ich würde sterben ohne Träume, ohne Kopfkino, auch wenn ich den Film nicht verstehe, auch wenn das Karussell mich schwindelig macht.
Aber verdammt, ich weiß genau wann ich träume und ich weiß nur zu gut, wann ich wieder aufwachen muss.

 

Silver

 

 

 

Dienstag, 14.01.2020 Träumerin pt.1

 

Wie weit kann ich gehen?
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Kann ich je so weit sein, so weit zu gehen, wie ich möchte, wie ich muss?
Bist du auch nur jemand, bei dem ich alles zügeln muss, mich zügeln muss weil du das Ausmaß nicht ermessen kannst?
Wenn ich meinen Mund öffne und dich mit einem Bissen verschlinge, hast du Angst, dass ich dich nie mehr ausspucke?
Ich habe auch Angst.
Ich habe Angst, dass du meine Sprache nicht verstehst, dass es wieder Zuviel ist, dass der Biss zu tief und doch nicht tief genug ist.
Wie weit lässt du mich gehen, wie viel Schub kann ich geben und wie offen kann ich sein, wie hart kannst du es aushalten, wie stark bist du wirklich?
Denn ich bin es nicht, ich will es auch nicht mehr sein.

 

Silver

 

 

Freitag, 10.01.2020 Momentaufnahme

 

Der grau verschleierte Januarabend ist feucht und kalt.
Es herrscht ein konstanter, leichter aber schneidender Wind und über mir nehme ich das Kreischen einiger Möwen wahr.
Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, ich müsste nur um die nächste Ecke biegen, um das Meer zu sehen. Und wenn ich mich konzentriere, kann ich vielleicht sogar die Brandung hören.

Aber alles, was sich mit dem Geschrei der Möwen mischt, ist Autolärm, das stetige Summen von unzähligen Gesprächsfetzen unzähliger Leute, Schritte, Züge, alles. Die Geräuschkulisse wirkt erdrückend.

Genau wie die Kulisse selbst. 
Die Straße, die Häuser, der Himmel, die halbe Stadt sieht aus, als hätte jemand den unbeliebtesten Filter drübergelegt. Hey nimm den nicht, damit sehe ich so scheiße aus. Die Farben wirken unnatürlich und tot.

Die Rückseite des Bahnhofs. Was sonst.
Es ist wie ein dunkles Portal.
Auf der Vorderseite gelangst du in die eine Welt voller Glitzer, Helligkeit und Schönheit. Auch irgendwie Falschheit. Hier jubeln sich die Leute zu, strömen zusammen umher wie eine kuschelige Schafsherde. 
Aber hier hinten lang gelangst du in eine ganz andere Welt.

Auch meine Stadt und doch Welten entfernt.
Die etwas dunklere Seite.
Die schmutzige Seite.

Hier stehen alle mit dem Rücken zum anderen, hier jubelt keiner. Aber auch nicht weniger falsch.
Ein Platz voll von Gestrandeten, Verlorenen, Umherirrenenden, Reisenden, Ankommenden, Abfahrenden, Aggressiven, Träumern, Suchenden, Halbtoten und längst toten.
Die grell erleuchtete Öffnung im Boden spuckt unaufhörlich Menschen aus, das blaue U zittert unregelmäßig, die Bahnen bringen den Boden unter mir zum Vibrieren.
Die Woge aus diesem Menschenbrei schwappt noch etliche Straßen hinunter und verebbt plötzlich an irgendeiner Kreuzung auf deren anderer Seite dann wieder alles hell, grün und nett aussieht. Andere Bühne, anderer Filter, schmeichelt der Haut.
Vielleicht befindet sich da ein unsichtbares weiteres Portal, dass manche Menschen nicht durchqueren können.

Hier scheinen sie eines Tages angeschwemmt worden zu sein und blieben einfach liegen.
Gefangen oder weil es nirgendwo sonst einen Platz für sie gibt.
Oder hier ist alles, was sie kennen, haben oder brauchen.
Dieser Ort ist klebrig. Wenn du hinfällst, bleibst du liegen.


Eine schmale Frau hängt gebeugt am Arm eines Mannes und schlurft neben ihm her.
Ihre Strumpfhose ist gerissen, ihre Schnürsenkel sind lose, ihre Haare verfilzt, der Typ nicht weniger zerschlissenen, sie klammern sich aneinander fest und so werden sie auch untergehen.

Schwielige Männer, Endfünfziger möglicherweise, die sich anderweitig längst aufgegeben haben, stehen herum und glotzen. Ihre Blicke sind unangenehm.

Vor mir eine Frau, die seltsam wirkt. Ich stutze; nein, es ist ein junger Mann, lange Wimpern, hübsch, weibliche Züge, durchaus gewollt, wartet hier nicht zufällig. Meine Gedanken überschlagen sich, ich weiß Bescheid, ohne es zu wissen, ohne dass ich es eigentlich wirklich wissen will.

Kann überhaupt irgendetwas helfen?

Ein Tsunami aus Hoffnung und Möglichkeiten vielleicht.
Oder wäre es ein Gnadenschuss, denke ich zynisch, wäre das die Erlösung?


Dazwischen: Leute auf dem Weg, zum Restaurant, Kino, Amüsement, Kinder mit ihren Eltern; normale Leute, die ihr Leben im Griff zu haben scheinen.
Ob denen das hier auffällt?
Für manche ist das ihr Zuhause, vielleicht findet man das cool, so ranzig, dass es schon wieder charmant ist. Vielleicht sind das irgendwann nur noch blinde Flecken, im alltäglichen verschwunden, Normalität.
So viele blinde Flecken lassen dich doch irgendwann komplett erblinden, was seht ihr denn? Wie seht ihr?
Mein Herz wird schwer. Diese seltsame Mischung aus Mitleid und Abscheu, Verdrossenheit und Hilfsbereitschaft, Rationalität und Idealismus. Weltschmerz befällt mich.

Ich frage mich einmal mehr, ob es irgendwen wirklich interessieren würde, wenn ich in dieser Woge einfach verschwinden würde.
Der Grund, warum überhaupt etwas läuft oder am Laufen gehalten wird, bin ich.
Aber wenn Not ist, ist man plötzlich selbst für sich verantwortlich, du hättest ja nicht zuhören müssen, helfen müssen, aber Danke, und sorry aber das ist dein Problem, komm klar und wenn du denkst, das alles beruhte je auf Gegenseitigkeit, also..nein.
Aber nehmen und erwarten? Doch, immer gern.
Aber erwarte du mal lieber nichts.

Ich habe längst angefangen einen Tunnel zu graben.
Wenn ich mich hier umsehe, sehe ich viele, die keinen gegraben haben.
Vielleicht haben sie nicht mal einen winzigen Augenblick daran gedacht, dass die Möglichkeit besteht, lange bevor die Woge sie fortgerissen hat.
Manche hätten sicher viel mehr Gründe fürs Buddeln gehabt als ich aber letztlich ist es ganz gleich, aus welchen Gründen du gräbst, es zählt nur, überhaupt anzufangen.

Und ich grabe.
Ich grabe mich unter euch durch, ich tauche ab und da, wo ich wieder herauskomme, werdet ihr ganz sicher nie hinkommen.
Ich möchte nicht, dass ihr mitkommt, wozu wohl der geheime Tunnel?
Er dient dazu, euch genau da zu lassen, wo ihr euch so wohlig in eurer Selbstgerechtigkeit suhlt, Arroganz steht keinem. Ihr seid wie übergroße steinernde Figuren, unbeweglich, starr, hart und alles in Schatten tauchend.
Ihr macht mir Angst, ihr habt mir immer Angst gemacht, ihr lasst mich verzweifeln und erzeugt zugleich nur einen langen Seufzer, der gar nicht mehr aufhören will.
Ich bin ein einziges Schulterzucken, wozu warum worauf warte ich?


Dieser Ort bringt mich auf komische Gedanken.
Doch Recht hat er. Die Kreuzung, das Portal zur hellen Seite ist bereits in Sichtweite.

Nächstes Mal komme ich gleich von der anderen Seite.
Ich gehe noch etwas schneller, noch einen Schritt mehr und ich renne.

Silver

 

 

Dienstag, 07.01.2020 Der Song

 

Fuck. Ernsthaft?!
Der Song ertönt, das kann nicht wahr sein.
Das ist einfach falsch.
Ich surfe mit dem Einkaufswagen zwischen Fleischtheke und Haushaltswaren entlang und bekomme einen emotionalen Flashback.
Das ist MEIN Song. Okay, mein Kryptonit aber auch mein Song.
Er gehört hier nicht hin, er gehört mir. Hört auf, ihn zu entweihen.
Eben habe ich mir noch Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht Tortelloni esse und unbedingt noch Joghurt mitnehmen möchte und plötzlich bekomme ich einen Flashback und muss zusehen, nicht mitten im Supermarkt das Flennen anzufangen weil ich von meinen Emotionen geflutet werde.

Zu tief, zu viel.
Der Song gehört nicht zwischen totes Fleisch, Snacks und eine absurd große Auswahl an Milchprodukten.
Er ist hier so Fehl am Platz wie Tinte auf deinem weißen Lieblings-T-Shirt.
Er ist überall, es gibt kein Entkommen.
Spielt doch diese dudelige Einkaufsmusik..oder, ist das Radio?! Da gehört der Song auch nicht hin, er gehört nur mir.
Ach, was soll's, ich lasse den Song seine Wirkung entfalten, versuche mich auf die Tortelloni zu konzentrieren, surfe einfach weiter mit dem Einkaufswagen durch die Gänge und bin froh, mich wenigstens an irgendwas festklammern zu können.

{2016}

 

Silver

 

 

Samstag, 04.01.2020 Kaleidoskop

 

Dich gibt es in so vielen Farben und Schattierungen, in so vielen Nuancen und einzelnen Teilen. Geschliffenes Glas, verzerrte Spiegel.

Splitter, die sich selbst spiegeln und reflektiert werden von anderen Teilen und sich in deinem Spiegelbild brechen und in weiteren Splittern hundertfach widerspiegeln. Alles ist bunt, hoffnungslos vermischt und doch allein, tausend Schatten werden zu einem und doch nie zu dir. Du hast ein Spiegelkabinett erschaffen; ich sehe dich und sehe ein Kaleidoskop aus Farben, Licht und Formen, wo darin bist du?

 

Silver

 

Cooler Song:

My Name is dark